Küttner Blog
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Corporate Social Responsibility – unternehmerische Verantwortung trifft Arbeitsrecht

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Die Arbeitswelt 4.0 geht nicht nur mit einer zunehmenden Digitalisierung einher, sondern auch mit einer wachsenden sozialen Verantwortung der Unternehmen. Corporate Social Responsibility – kurz CSR – lautet dabei eines der Schlagworte, welches aus der Unternehmenswirklichkeit nicht mehr wegzudenken ist. Zusammengefasst geht es darum, dass neben den wirtschaftlichen und finanziellen Aspekten auch nachhaltig Verantwortung für die Konsequenzen des Handels im Hinblick auf Umwelt, Kunden und Beschäftigte übernommen wird. Die Bedeutung von CSR hat durch Initiativen wie der International Labour Organization (ILO), den UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte, der OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen oder der von der EU beschlossenen CSR-Richtlinie enorm an Bedeutung gewonnen. Wir geben im Rahmen unserer Blogserie einen Überblick, was CSR bedeuten kann und welche Wechselwirkungen mit dem Arbeitsrecht bestehen.

Blogserie: Arbeitswelt 4.0

Unsere Arbeitswelt hat sich in den vergangenen Jahren so rasant verändert wie noch nie zuvor. Was bedeutet dies aber für die Verantwortung der Unternehmen und ihrer Entscheider?

Autor dieses Beitrags

Dr. Thomas
Köllmann


I.

Was CSR bedeutet – die drei Ebenen

CSR beschreibt einen umfassenden Ansatz für Unternehmensverantwortung in sämtlichen Bereichen. Zur besseren Übersicht können drei Ebenen unterschieden werden:
  • Soziale Ebene, die bspw. die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten und der Zulieferbetriebe umfasst,
  • Ökologische Ebene, unter die bspw. der Umweltschutz, Verantwortung für die Lieferantenkette sowie die Produkte und Dienstleistungen fallen,
  • Ökonomische Ebene, die sicherstellt, dass die zuvor genannten Ebenen mit ökonomischen Fragen in Einklang gebracht werden.
Die drei genannten Ebenen lassen sich nicht vollständig voneinander trennen, sondern greifen ineinander. Dabei ist CSR keineswegs nur ein Thema für Großunternehmen. Eine Verantwortung für Umwelt, Beschäftigte und Kunden sollte jedes Unternehmen übernehmen und kann im Kleinen wie im Großen umgesetzt werden.

II.

Die soziale Verantwortung – arbeitsrechtliche Dimension von CSR

Die soziale Ebene umfasst unter anderem das Verhältnis von Unternehmen zu Beschäftigten, weshalb zahlreiche Schnittmengen mit arbeitsrechtlichen Aspekten bestehen. CSR-Themen im Arbeitsverhältnis können sich etwa auf folgende Bereiche erstrecken:
  • Rechte der Beschäftigten / Beteiligung der Mitarbeitervertretungen
  • Faire Bezahlung und Beteiligung der Beschäftigten
  • Flexible Arbeitszeiten, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Work-Life-Balance
  • Antidiskriminierung, Geschlechtergerechtigkeit und Chancengleichheit
  • Vermittlung von Unternehmenswerten und Verhaltenskodizes (Code of Conduct)
  • Gesundheitsschutz und Arbeitssicherheit
Neben den Prozessen zur Einführung sind sämtliche dieser Bereiche auch von rechtlichen Fragen geprägt. Angefangen von der Gestaltung von Arbeitszeitmodellen über Aspekte des arbeitsrechtlichen Gleichbehandlungsgrundsatzes bis hin zu – gerade in der Corona-Pandemie in den Fokus gerückten – Themen des Arbeitsschutzes. Auch bei der Mitarbeiterführung sind stets rechtliche Vorgaben und Grenzen zu beachten. In diesem Zusammenhang unterstützen wir Sie gerne, etwa mit arbeitsrechtlichen Schulungen für Führungskräfte.

III.

Zwischen Mitarbeitermotivation und rechtlichen Vorgaben – CSR am Arbeitsplatz

1. Business Case - CSR als Wettbewerbsvorteil

Die Identifikation von Beschäftigten mit „ihrem“ Unternehmen ist ein wesentlicher Aspekt des Employer Branding. Beschäftigte, die sich nicht nur mit den angebotenen Produkten oder Dienstleistungen, sondern auch mit den Werten des Unternehmens identifizieren, sind zufriedener und motivierter. In Zeiten, in denen Themen wie Umweltschutz, transparente Lieferketten und Arbeitsbedingungen in Entwicklungs- und Schwellenländern stärker in den Fokus der Gesellschaft rücken, sind sie auch ein Baustein zur Anwerbung von qualifiziertem Personal. CSR kann dabei – mit all seinen Facetten – ein Bestandteil im Recruiting und der Mitarbeiterführung sein. Folgende Ziele können durch eine erfolgreiche CSR-Strategie erreicht werden:
  • Zunehmende Identifikation der Beschäftigten mit dem Unternehmen
  • Leistungssteigerung, transparente Vergütung, Anerkennung und Mitarbeitermotivation
  • Niedrigere Fluktuation und geringere Kosten der Personalrekrutierung
  • Reduzierung von Fehltagen aufgrund von Krankheit oder Arbeitsunfällen

2. CSR und gesetzliche Vorgaben

In einigen Bereichen ist CSR nach wie vor ein freiwilliges Thema. Zugleich werden aber immer mehr rechtliche Vorgaben geschaffen. So soll beispielsweise durch das „Lieferkettengesetz“ die Beachtung der Menschenrechte gestärkt werden, indem Unternehmen eine größere Verantwortung für ihre Lieferketten übernehmen. Ein weiteres Beispiel ist das „Zweite Führungspositionen-Gesetz“, mit dem der Anteil von Frauen in Führungspositionen deutlich erhöht und damit die Geschlechtergerechtigkeit gefördert werden soll.
Durch die im Jahre 2014 von der EU beschlossene CSR-Richtlinie (Richtlinie 2014/95/EU) sind Unternehmen mit Sitz in der EU ab einer gewissen Größe verpflichtet, über Nachhaltigkeitsaspekte zu berichten. Deutschland hat die Richtlinie durch das Corporate Social Responsibility Richtlinienumsetzungsgesetz implementiert. Durch dieses Gesetz wird die Offenlegung von Angaben zu nichtfinanziellen Aspekten, insbesondere zu Umwelt-, Arbeitnehmer- und Sozialbelangen, zur Achtung der Menschenrechte und zur Bekämpfung von Korruption und Bestechung vorgeschrieben (§ 289c HGB). Auch darüber hinaus erstellen viele Unternehmen bereits so genannte CSR-Berichte.
Die CSR-Richtlinie wird aktuell überarbeitet. Hierzu legte die EU-Kommission am 21. April 2021 einen Richtlinien-Entwurf zur Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen vor. Weitere Informationen zu den geplanten Änderungen und zur Umsetzung der erforderlichen Prozesse finden sich auf der Seite des Deutschen-Nachhaltigkeitskodex (DNK).

IV.

Ausblick

CSR ist ein vielschichtiges Thema, dessen Relevanz aber in allen Bereichen zunehmen wird. Im zweiten Teil hierzu in der nächsten Woche geben wir daher einen Überblick zu CSR-Prozessen und ergänzende Hinweise für Unternehmen, die sich näher mit dem Thema beschäftigen wollen. Zudem stehen wir bezüglich aller arbeitsrechtlichen Fragen bei der Umsetzung und Implementierung von CSR-Strategien zur Verfügung.

Küttner Blogserie Arbeitswelt 4.0

Entdecken Sie weitere Beiträge zum Thema Arbeitsrecht 4.0 in unserer Blogserie.
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